Digitale Strategien

Wie digital darf´s denn sein? Gebäude- Infrastrukturen und das Gateway der Zukunft

Smart Building und PropTech sind in aller Munde. Doch was ist Smart Building eigentlich und welche Anwendungsfelder gibt es heute schon.

Auch 30 Jahre nachdem Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal von der digitalen Automation in Gebäuden zumindest punktuell gesprochen wurde, ist das Smart Building Gateway ein unerfüllter Traum vieler PropTech Anbieter.

Seit im Sommer 2011 die Smart Meter Richtlinie der EU von 2009 fest gesetzlich verankert wurde, mit einem Einführungsziel von 80% bis 2020 scheint es so, als wäre mit dem Smart Meter Gateway Rollout auch das Smart Building Gateway erschlagen. Nur ist dem leider nicht so. Zunächst einmal ist es so, dass wir selbst mit dem Smart Meter Gateway Rollout im europäischen Vergleich und auch im Zeitplan hinterherhinken. „Der verpflichtende Rollout beginnt, wenn mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen intelligente Messsysteme am Markt anbieten, die erfolgreich das Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben und den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, und sobald die Feststellung der technischen Möglichkeit (sog. Markterklärung) des BSI vorliegt.„ Und das dritte Zertifizierungsverfahren wurde gerade erst im Dezember 2019 abgeschlossen.

Darüber hinaus ist anzumerken, dass die Definition von „Smart Building“ deutlich über „Smart Metering“ hinausgeht. Was ist also ein „Smart Building“. Dazu eine Definition: „Ein intelligentes Gebäude ist sehr energieeffizient und deckt seinen sehr geringen Energiebedarf zu einem großen Teil durch vor Ort oder über ein Distriktsystem betriebene erneuerbare Energiequellen. Ein intelligentes Gebäude (i) stabilisiert und treibt eine schnellere Dekarbonisierung des Energiesystems durch Energiespeicherung und nachfrageseitige Flexibilität an; (ii) gibt seinen Nutzern und Bewohnern die Kontrolle über die Energieströme; (iii) erkennt die Bedürfnisse der Nutzer und Bewohner in Bezug auf Komfort, Gesundheit, Raumluftqualität, Sicherheit sowie betriebliche Anforderungen und reagiert darauf.“ Neben der Frage nach Energieströmen, deren verursachungsgerechter Abrechnung und einem zeitnahnen Monitoring, damit man Einfluss auf den Verbrauch nehmen kann, geht es also auch hier um die Bedürfnisse der Nutzer. Und neben der Senkung des Energieverbrauchs und CO2 Footprints gehören dazu sicher auch Themen der operativen Exzellenz und neue Dienstleistungen, die das Leben des Nutzers einfacher machen. Der Nutzer ist hier in diesem Falle sowohl der Bewohner/Mieter als auch der Eigentümer und der Betreiber des Gebäudes. Und auch die diversen Dienstleister sind in ihrer jeweiligen Rolle Nutzer diverser Gebäudeteile.

Welche Lösungen kann man also in einem ersten Schritt für die Nutzer zusammenbringen. Die nachfolgende Abbildung zeigt einige Beispiele ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit.

Was früher klassische TGA (technische Gebäudeausstattung) wird heute häufig durch nachrüstbare IoT (Internet of Things) Komponenten zu „smarten Devices“ die von ferne auslesebar und steuerbar sind. IoT ist somit ein zentraler Bestandteil von Smart Building Lösungen geworden.

Wichtig ist es hierbei zu verstehen, dass Smart Building und Smart Home zwei verschiedene Themengebiete sind. Bei Smart Home Anwendungen sind der Installateur, Administrator und Nutzer häufig kongruent. Die Kommunikation der Devices erfolgt oft durch ein vom Nutzer aufgespanntes WIFI, der auch einziger Eigentümer der Daten ist. Anwendungen spielen sich häufig im Komfort- oder Luxussegment ab.  Bei Smart Building Anwendungen geht es darum, dass verschiedene Parteien jeweils für ihren ganz individuellen Use Case auf die Daten der Smart Devices zugreifen können. Für die Immobilienwirtschaft ist Smart Building relevant.

Eine Smart Building Lösung benötigt Daten, Automatisierung und Systemintegrationen – der Entscheidende Punkt ist jedoch der generierte Mehrwert für den Immobilienbesitzer und die Nutzer. Oder anders ausgedrückt: Nicht die Anzahl der Sensoren ist in einem intelligenten Gebäude entscheidend, sondern der Mehrwert für die Nutzer, Bettreiber und Eigentümer.

Um Smart Building zu ermöglichen, wäre es hilfreich, in den Gebäuden, sowohl beim Neubau als auch im Bestand eine offene Kommunikationsebene anzubieten, also ein Smart Building Gateway, welches es ermöglicht, die Signale der verschiedenen Devices einzusammeln und sicher in die Cloud an die jeweiligen Empfänger zu übermitteln. Idealerweis kann dies auch für die Gegenrichtung, also Übermittlung von Steuerungsbefehlen und Firmware-Updates aus der Cloud an die Devices erfolgen.

Für die Bereitstellung dieser Kommunikationsschnittstelle gibt es in der Praxis aktuell 3 Lösungsansätze:

1. „Huckepack“ – die PropTechs bringen ihre eigene Konnektivität mit, um so Versorgungssicherheit zu haben. Im Zweifel findet sich der Eigentümer am Ende mit 5 verschiedenen Gateways im Keller wieder.

2. „Supergateway“ – andere Marktteilnehmer arbeiten an einem Gateway, welches möglichst sowohl LoRa, NbioT und weitere Funkstandards abdeckt. Leider fehlt bisher die Standardisierung der dazugehörigen Protokolle und der breite Rollout in der Fläche.

3. „Cocreation“ – Anbieter tun sich selektiv zusammen, um gemeinsam eine digitale Gebäudeinfrastruktur zu schaffen. Dies ist für abgeschlossenen Quartiere und Lösungen höchst effizient, bietet aber bisher noch keine ganzheitliche Plattform.

In jedem Falle sollte der Eigentümer des Gebäudes sich Gedanken darüber machen, wie er diese Kommunikationsebene ausgestalten möchte und mit den jeweiligen Anbietern in einen zukunftsgerichteten Dialog treten. Damit, das smarte Gebäude nicht nur ein Traum bleibt.

Für die futuristische, aber notwendige Idee des Gateways der Zukunft gibt es viele offene Fragen, die auf der Ebene der Infrastruktur beginnen und bis zum Geschäftsmodell und zur Verantwortung für Hardware und Service reichen. Unabhängig davon, wie viele Schichten zwischen den Sensoren, die die Daten erfassen, und den Nutzern (intern und extern), die diese Daten erhalten, liegen, müssen für den Gebäudeeigentümer immer zwei Fragen gestellt werden: Möchte ich Eigentümer dieser Schicht und/oder Betreiber sein?

Aber bevor diese Frage beantwortet wird, von der man wahrscheinlich annehmen würde, dass das Super-Gateway verfügbar und für unsere spezifischen Bedürfnisse bereit ist, stellen sich im Moment des Entwurfs und der Auswahl der Lösung noch einige andere Fragen: Welche Kommunikationsprotokolle müssen unterstützt werden und warum? wo würde dieses Gerät installiert werden und welche Hindernisse würde es haben? Wie viele Geräte würden beim Bau benötigt? Wer ist für die Hardware verantwortlich? Wer ist für die Firmware verantwortlich? Wer ist für die Cloud verantwortlich, die mit dem Gerät spricht?

  1. https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2019/20191219-rollout-rueckt-naeher-drittes-zertifikat-fuer-smart-meter-gateway-uebergeben.html
  2. http://bpie.eu/wp-content/uploads/2017/06/BPIE-Press-Release_Finally-a-concrete-definition-of-a-%E2%80%9Csmart-building%E2%80%9D-to-be

Beitrag von https://www.highrise.ventures/

Author

Thomas Gawlitta | CEO Gawlitta.com GmbH | thomas.gawlitta@gawlitta.com | 01703665800